In einem kürzlich in I2D – Information, Données & Documents (2025/2) veröffentlichten Artikel analysiert Véronique Demilly, Mitglied des Strategieausschusses von TEMS und Expertin für Medientechnologien bei France Télévisions, die strukturellen Herausforderungen, denen sich die europäische Medienbranche gegenübersieht, und die Rolle, die Datenräume bei der Bewältigung dieser Herausforderungen spielen können. Ihr Artikel, der für Abonnenten auf Cairn.info zugänglich ist, bietet einen klaren und sachlichen Überblick über die Gründe, warum Daten-Governance und gemeinsame Infrastrukturen für die Branche unverzichtbar geworden sind. Mit mehr als 245.000 Unternehmen, von denen 99,8 % KMU sind, und mehr als 1,32 Millionen Beschäftigten ist die Branche sowohl wirtschaftlich bedeutend als auch stark fragmentiert. Diese Fragmentierung schränkt die Fähigkeit einzelner Organisationen ein, Daten in großem Umfang zu sammeln, zu analysieren und zu nutzen, während globale digitale Plattformen aufgrund ihrer Fähigkeit, große Mengen an Nutzerdaten zu sammeln und zu verarbeiten, dominieren.
In diesem Zusammenhang sind Daten zu einem entscheidenden Faktor für die Wettbewerbsfähigkeit geworden. Informationen über das Publikum, Nutzungsdaten, beschreibende Metadaten, Informationen über Rechte und Überprüfungsdaten sind heute unerlässlich, um sichtbar und relevant zu bleiben und ein jüngeres Publikum anzusprechen. Das Aufkommen der generativen KI verstärkt die Dringlichkeit noch: Laut der im Artikel zitierten Studie könnten die Musik- und audiovisuelle Industrie bis 2028 aufgrund von KI-generierten Inhalten einen Verlust von mehr als 20 % ihrer Einnahmen erleiden. Um eine faire Vergütung für Urheber zu gewährleisten und die Integrität europäischer Werke zu bewahren, sind neue technologische und governancebezogene Rahmenbedingungen erforderlich. Wie der Artikel betont, können Medienunternehmen ohne solide Datenbanken weder die Vorteile der KI voll ausschöpfen noch ihren Wert schützen.
Datenräume bieten eine strukturelle Antwort auf diese Herausforderungen. Sie sind als souveräne, zuverlässige und interoperable Umgebungen für den Datenaustausch definiert und ermöglichen die Zusammenarbeit unter Einhaltung der europäischen Werte und Vorschriften. Durch die Beseitigung von Silos ermöglichen sie Medienunternehmen, Datensätze zu kombinieren, ihr Publikum besser zu verstehen, ihre Sichtbarkeit zu erhöhen und eine faire Vergütung der Rechteinhaber zu unterstützen. Die Datenstrategie der Europäischen Kommission hat sektorale Datenräume zu einer Priorität gemacht und ihr Potenzial zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit und Innovation in allen Sektoren anerkannt.
TEMS (Trusted European Media Data Space) ist die Umsetzung dieser Vision für den Mediensektor. Mit einem Projektvolumen von 16 Millionen Euro, 42 Partnern aus 12 Ländern und einer europäischen Finanzierung von 8 Millionen Euro zielt TEMS darauf ab, benutzerfreundliche, nachhaltige und interoperable Lösungen anzubieten. Neben der Infrastruktur entwickelt das Projekt praktische Anwendungsfälle wie TAMIS, das die Qualität und Verbreitung audiovisueller Metadaten verbessert, sowie Initiativen, die es Urhebern ermöglichen, Trainingsdaten für KI-Modelle gegen eine angemessene Vergütung bereitzustellen. Weitere Anwendungsfälle betreffen Nachrichten, Faktenprüfung, gezielte Werbung, Zielgruppenanalyse und Barrierefreiheitsressourcen. Eine gemeinnützige Governance-Struktur wird Transparenz, die Vertretung der gesamten Branche und langfristige Nachhaltigkeit gewährleisten. Die erste juristische Person soll 2026 gegründet werden, die kommerzielle Eröffnung ist für Ende desselben Jahres erwartet.