| TEMS Newsletter #9 |
| TEMS (Trusted European Media data Space) ist ein Gemeinschaftsprojekt von 42 Organisationen, die Hunderte von Akteuren aus 12 Ländern im Kultur- und Kreativbereich vertreten. TEMS ist die führende europäische Initiative zum Aufbau eines widerstandsfähigen, datengesteuerten Ökosystems im Medienbereich. |
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| Der ungenutzte Datenschatz der europäischen Kreativwirtschaft |
| TEMS soll die digitale Transformation beschleunigen, die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Medienlandschaft stärken und neue Allianzen zwischen Medienunternehmen schaffen, damit sie Daten besser erschließen sowie verwalten können und um sich gegenüber Big Tech zu behaupten zu können. Während sich die Diskussion über Mediendaten naturgemäß oft auf Rundfunkveranstalter, Nachrichtenagenturen und audiovisuelle Produzenten konzentriert, prüfen auch viele andere Sektoren, wie sie von einem vertrauenswürdigen Ökosystem für den Datenaustausch profitieren können. Dazu gehört etwa die Kultur- und Kreativwirtschaft, darunter Kulturerbe-Institutionen, Organisationen aus dem Bereich der darstellenden Künste, Gaming-Unternehmen und viele weitere. |
| Im vergangenen Jahr organisierte TEMS eine Reihe von Veranstaltungen, bei denen Akteure aus diesen Bereichen der CCIs eingeladen wurden, die Möglichkeiten kennzulernen, die durch das Teilen von Daten entstehen, innovative Anwendungsfälle zu erkunden und ihre Perspektiven zur des europäischen Mediendatenraums einzubringen. Von Speculative-Design-Sessions und Workshops bis zu Diskussionen über rechtliche Rahmenbedingungen und Vertrauen entstanden dabei neue Ideen und wertvolle Gespräche. Hier findet Ihr, was wir gelernt haben. |
| „Cross-pollination“: fruchtbarer Austausch zu Mediendaten |
| Die Kultur- und Kreativwirtschaft erzeugt täglich enorme Mengen wertvoller Daten: von Inhalten wie Songtexten, Romanen, Filmskripten und Museumssammlungen bis hin zu Einschalt- und Abrufstatistiken, Kennzahlen zur Publikumsinteraktion, Ticketverkäufen, Hörgewohnheiten und Spielverhalten. All dies sind Datenformen, die aussagekräftige Erkenntnisse ermöglichen - wenn sie verantwortungsvoll miteinander verknüpft und analysiert werden. |
| Was wäre, wenn Kreative besser verstehen könnten, warum bestimmte Geschichten beim Publikum Anklang finden? Was wäre, wenn Verlage, Spielestudios und Rundfunkveranstalter aufkommende kulturelle Trends erkennen könnten, bevor sie zum Mainstream werden? Was wäre, wenn Organisationen auf der Grundlage von belastbaren Daten statt bloßer Annahmen stärkere Beziehungen zu ihrem Publikum aufbauen könnten? |
| Diese Fragen bildeten den Ausgangspunkt der TEMS Speculative-Design-Session „Cross-pollination with Media Data“, die im Herbst 2025 stattfand. Der Workshop brachte Teilnehmende aus verschiedenen Sektoren zusammen und forderte sie dazu auf, über die Möglichkeiten nachzudenken, die entstehen, wenn dieser Datenschatz über TEMS geteilt würde. In multidisziplinären Teams entwickelten die Teilnehmenden innovative Konzepte, Tools und Geschäftsmodelle, die darauf ausgelegt waren, aus gemeinsam genutzten Daten neuen Mehrwert zu schaffen. |
| Das Ergebnis: fünf Prototyp-Konzepte, die zeigten, wie Daten Kreativität, Innovation und sektorübergreifende Zusammenarbeit unterstützen können. Ein Konzept konzentrierte sich auf aufkommende Trends im Bereich Virtual Reality und schlug eine interaktive Plattform vor, auf der Produzenten, Designerinnen und Kreativstudios Erkenntnisse austauschen, 3D-Modelle teilen und von Best Practices lernen könnten. Ein anderes Konzept stellte die Dominanz von Empfehlungsalgorithmen infrage und führte nutzergesteuerte digitale Personas ein. Statt sich auf die Algorithmen großer Tech-Plattformen zu verlassen, würden Einzelpersonen Profile erstellen und verwalten, die ihre Medienpräferenzen widerspiegeln. So könnten personalisierte Empfehlungen über verschiedene Kultursektoren hinweg möglich werden, während Nutzerinnen und Nutzer zugleich mehr Kontrolle über ihre eigenen Daten behalten. |
| Die Session machte ein übergreifendes Thema deutlich: Datenteilen ist nicht nur eine technologische Frage. Es geht darum, neue Wege zu schaffen, über die Organisationen und Publikum miteinander in Verbindung treten, zusammenarbeiten und gemeinsam Werte schaffen können. |
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| Wiederverwendung von 3D-Modellen unseres kulturellen Erbes in den Medien |
| Die Diskussion wurde im Frühjahr 2026 fortgesetzt, als TEMS den Fokus auf eine der spannendsten Schnittstellen zwischen Kultur und Technologie legte: 3D-Modelle von Pbjekten unseres kulturellen Erbes und virtuelle Produktion. In ganz Europa digitalisieren Museen, Archive und Kulturerbe-Institutionen ihre Sammlungen zunehmend mit fortschrittlichen 3D-Scan-Technologien. Diese digitalen Repliken helfen dabei, empfindliche Artefakte zu bewahren, Kulturgut vor physischem Verfall zu schützen und Sammlungen einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. Doch Bewahrung ist nur ein Teil der Geschichte. Die eigentliche Chance liegt in der Wiederverwendung. Wie können diese digitalen Objekte zu Bausteinen völlig neuer Formen des Storytellings auf Grundlage unseres Kulturguts werden? |
| In einer Reihe von Workshops zu Kulturgut und virtueller Produktion untersuchten die Teilnehmenden, wie 3D-Modelle sektorübergreifend in Medienproduktionen integriert werden können. Rundfunkveranstalter beschäftigten sich damit, wie virtuelle Umgebungen Fernsehformate bereichern könnten. Spieleentwickler diskutierten Möglichkeiten, historisch akkurate Objekte in immersive Erlebnisse einzubinden. Außerdem wurden potenzielle Anwendungen für Journalismus, Bildung und interaktives Storytelling erörtert. Die Diskussionen trugen zur Ausgestaltung des „Market and co-creation place for 3D environments for virtual production“ bei, auf dem Organisationen 3D-Assets und Ressourcen für virtuelle Produktion entdecken, austauschen und gemeinsam weiterentwickeln können. |
| Gleichzeitig wurde deutlich, dass viele Organisationen weiterhin nach konkreten Beispielen dafür suchen, wie immersives Storytelling in der Praxis funktionieren kann. Um diese Lücke zu schließen, schloss sich TEMS mit dem europäischen Projekt 3D-4CH zusammen, einem Online-Kompetenzzentrum, das die digitale Transformation des Kultursektors unterstützt. Gemeinsam organisierten sie die Ko-Kreationssession „Storytelling in XR (eXtended Reality)“. |
| Die Teilnehmenden wurden durch den gesamten kreativen Prozess zur Gestaltung immersiver Erlebnisse geführt, von der ersten Konzeptentwicklung bis zum Aufbau fesselnder interaktiver Erzählungen. Die Session zeigte, wie Kulturerbe-Assets über reine Bewahrung hinaus genutzt und zu aktiven Bestandteilen innovativer Storytelling-Erlebnisse werden können, die das Publikum auf völlig neue Weise einbinden. |
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| Vertrauen schaffen: Ihre Daten, Ihre Regeln |
| Während die Begeisterung für das Teilen von Daten in allen Veranstaltungen groß war, sprachen die Teilnehmenden immer wieder ein ebenso wichtiges Thema an: Vertrauen. Fragen zu geistigem Eigentum, Eigentumsrechten, Kontext und Kontrolle tauchten in jeder Diskussion auf. Was passiert, wenn Daten meine Organisation verlassen? Wie kann ich sicherstellen, dass sie angemessen genutzt werden? Wie behalte ich die Kontrolle über sensible Informationen? Und wie lässt sich Datenteilen mit den sich weiterentwickelnden europäischen Vorschriften vereinbaren? Diese Fragen sind keine Hindernisse für das Datenteilen – Antworten darauf bilden die Voraussetzung dafür, dass es funktioniert. |
| Um diese Fragen aufzugreifen, organisierte TEMS das Webinar „Your Data, Your Rules: Legal Tools for Building Trust in Data Sharing“. Das Webinar zeigte, wie Organisationen an Datenräumen teilnehmen können, ohne die Kontrolle über ihre Informationen abzugeben. Unsere Rechtsexpertinnen und -experten stellten praktische Instrumente vor, die derzeit im Rahmen von TEMS entwickelt werden. Dazu gehören das gemeinsame Rulebook, das gemeinsame Regeln für die Teilnahme festlegt, sowie die Policy Library, mit der Organisationen Berechtigungen, Einschränkungen und Bedingungen für die Datennutzung definieren können. Die Teilnehmenden lernten außerdem das Register of Transactions kennen, das Transparenz, Nachverfolgbarkeit und die sogenannte „Observability“ im gesamten Prozess des Datenteilens ermöglicht. |
| Das Webinar endete mit einer interaktiven Fragerunde. Einige der wichtigsten diskutierten Fragen waren: |
| Wie stellen Sie sicher, dass Organisationen die Kontrolle darüber behalten, wie ihre Daten genutzt werden? |
| Das Teilen von Daten innerhalb von TEMS wird über Verträge geregelt, die zwischen Datenanbieter und Datennutzer vereinbart werden. Die Teilnehmenden können Standardvertragsvorlagen nutzen, die der Datenraum bereitstellt, und diese an ihre spezifischen Bedürfnisse anpassen, während sie zugleich die zentralen Regeln und Prinzipien des Ökosystems einhalten. Die Vertragsbedingungen können auf Aspekte wie Datenzugriffsrechte, geografische Einschränkungen, Nutzungsdauer, Preismodelle und erlaubte KI-Anwendungen zugeschnitten werden. |
| Wie wollen Sie sicherstellen, dass Werke der Medienbranche über eine eindeutige Kennung präzise identifiziert werden können? |
| TEMS wird ein Register nutzen, um Teilnehmende zu identifizieren und die Rückverfolgbarkeit von Datensätzen und ihrer Nutzung zu ermöglichen. Medienwerke können mit eindeutigen Kennungen verknüpft werden, die auch unabhängig vom Datenraum existieren können. Gleichzeitig erhalten auch die innerhalb von TEMS ausgetauschten Datensätze eigene Kennungen. Um Transparenz und Rechenschaftspflicht sicherzustellen, wird jeder Datenaustausch mit einem Vertrag verknüpft, der zwischen den beteiligten Parteien vereinbart wurde. So entsteht eine klare Dokumentation darüber, wie Daten geteilt und genutzt werden. |
| Sind die im Webinar besprochenen Dokumente, etwa das Rulebook, öffentlich verfügbar? |
| Noch nicht. Da TEMS weiterhin ein aktives Projekt in der Entwicklung ist, werden viele der rechtlichen Instrumente, Vorlagen und Governance-Dokumente derzeit finalisiert. Sobald der Datenraum live geht, werden diese Ressourcen über die TEMS-Website öffentlich verfügbar gemacht. In der Zwischenzeit können interessierte Akteure das „Sitra Rulebook for a Fair Data Economy“ konsultieren, das als Grundlage für das TEMS Rulebook dient. |
| Wie stellen Sie die Qualität der über TEMS geteilten Daten sicher? |
| Im Rahmen des Registrierungsprozesses werden Teilnehmende überprüft, um sicherzustellen, dass sie im Mediensektor aktiv sind und eine relevante berufliche Rolle tragen. Dies trägt dazu bei, ein vertrauenswürdiges Umfeld zu erhalten, und unterstützt die Qualität und Zuverlässigkeit der über die Plattform geteilten Daten. Zugleich möchte TEMS so offen und inklusiv wie möglich bleiben und Zugänglichkeit mit Qualitätssicherung in Einklang bringen. |
| Falls Sie das Webinar verpasst haben: Die Aufzeichnung der Session ist auf der TEMS-Website verfügbar. |
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| Ausblick |
| Die Kultur- und Kreativwirtschaft hat gezeigt, dass sie im europäischen Mediendaten-Ökosystem keine Randrolle spielt. Sie ist ein zentraler Akteur, dessen Wissen, Kreativität und Datenbestände dazu beitragen können, die Zukunft dieses Ökosystems zu gestalten. Während TEMS seinen Datenraum weiterentwickelt, wird das Projekt weitere Veranstaltungen organisieren, die Organisationen dabei unterstützen sollen, zu entdecken, wie Daten Innovation, Zusammenarbeit und Wachstum fördern können. |
| Behalten Sie die TEMS-Website im Blick und folgen Sie uns auf LinkedIn, um über kommende Veranstaltungen, neue Möglichkeiten und das nächste Kapitel der in der Entstehung des europäischen Mediendatenraums informiert zu bleiben. |
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